Diabetes
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Es gibt zwei Formen von Zuckerkrankheit: Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Beide hängen mit dem Hormon Insulin zusammen, das in bestimmten Zellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
Insulin ist notwendig, damit die Körperzellen den Blutzucker zur Energiegewinnung verwenden können. Zu wenig Insulin führt zu einem Ansteigen des Blutzuckerspiegels.
Ein über längere Zeit zu hoher Blutzuckerspiegel führt zu gravierenden Problemen: Sehstörungen bis zur Blindheit, Nierenfunktionsstörungen, Nervenleiden und zum so genannten diabetischen Fuß, bei dem es oft zu Amputationen kommt. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei DiabetikerInnen stark erhöht.
Diabetes Typ 1 oder Typ 2
Typ-1-Diabetes (Juvenile Diabetes)
Typ-1-Diabetes ist weitaus seltener, durchschnittlich leidet einer von zehn Diabetikern an dieser Form. Er tritt meist schon in jungen Jahren in Erscheinung. Es handelt sich dabei um eine so genannte Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört, die das Hormon Insulin produzieren. Durch den Insulinmangel steigt der Blutzucker-spiegel zu hoch an. Die Betroffenen müssen daher ein Leben lang Insulin spritzen, um ihren Blutzuckerspiegel im Normalbereich zu halten.
Typ-2-Diabetes (Alterszucker)
Die wesentlich häufigere Form ist der Typ-2-Diabetes, auch »Alterszucker« genannt. Knapp 250 Millionen Menschen leiden weltweit daran. In Österreich gibt es über 300.000 behandelte Diabetiker und vermutlich noch mehr Menschen, die von ihrer Erkrankung (noch) nichts wissen.
Denn einen erhöhten Blutzuckerspiegel spürt man nicht, und oft kommen Personen erst dann zum Arzt, wenn sie bereits Spätschäden an Augen, Nieren oder Nerven haben oder ein Herzproblem. Die einzige Möglichkeit, einen eventuell erhöhten Blutzuckerspiegel rechtzeitig zu erkennen, ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung.
Beim Typ-2-Diabetes müssen die Bauspeicheldrüsenzellen lange Zeit große Mengen an Insulin produzieren, bis sie schließlich überfordert sind und die Produktion einstellen. Spätestens dann muss auch ein Typ-2-Diabetiker Insulin spritzen. Rechtzeitig erkannt kann ein beginnender Typ-2-Diabetes aber noch abgewendet werden.
Risikofaktoren – oder anders gesagt: So können Sie sich schützen!
Die wichtigsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes sind:
Übergewicht und starkes Übergewicht, besonders dann, wenn es im Bauchbereich sitzt.
Bewegungsmangel: Muskeln, die bewegt werden, verbrauchen Blutzucker und senken so den Blutzuckerspiegel. Trainierte Muskeln tun das übrigens auch in Ruhe!
Alter: Der so genannte »Alterszucker« ist längst nicht mehr eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte. Durch die Zunahme von Übergewicht und Bewegungsmangel erkranken immer mehr Jüngere und sogar schon Kinder daran.
Familiengeschichte: Wenn Blutsverwandte von Ihnen Diabetiker sind oder waren, haben Sie selbst auch ein erhöhtes Risiko dafür.
Rauchen: Rauchen erhöht Studienergebnissen zufolge auch das Diabetesrisiko!
Es gibt zwei gute Nachrichten:
- Die meisten Risikofaktoren für Diabetes können Sie selbst beeinflussen!
- Das Risiko kann tatsächlich wirksam verringert werden. Selbst Personen, die schon erhöhte Blutzuckerspiegel hatten, konnten in zwei großen Studien durch eine Gewichtsreduktion von 3-4 kg, eine günstigere Ernährungsweise und mehr Bewegung, ihr Diabetesrisiko um 60% senken
Ernährung bei Diabetes:
»Zuckerkranke dürfen keinen Zucker essen.« So lautet die weitest verbreitete vermeintliche Ernährungsregel für Diabetiker. Dabei ist sie so gar nicht richtig und auch gar nicht die wichtigste Empfehlung, die Diabetiker einhalten sollten.
Hier gleich einmal die gute Nachricht vorweg: Die Ernährungsempfehlungen für Diabetiker unterscheiden sich fast nicht von den herkömmlichen Empfehlungen für Gesunde. Deshalb stellen wir Ihnen hier keine »Diabetikerdiät« vor, sondern eine gesunde Ernährung für Diabetiker und alle, die niemals Diabetiker werden möchten.
- Wenn Sie übergewichtig sind, sollten Sie versuchen, einige Kilos abzunehmen.
Achten Sie darauf, dass Ihr Gewicht und Ihr Bauchumfang im Normalbereichen liegen! - Mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse pro Tag versorgen Sie ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen, von denen Diabetiker eine Extra-Portion brauchen.
- Beim Fett gilt: Qualität vor Menge. Viele Typ-2-Diabetiker haben auch Fettstoffwechselstörungen, deshalb ist diese Empfehlung eine besonders wichtige. Es gilt der Grundsatz: Mit Fett sparsam umgehen, und wenn, dann mehr von der Pflanze (Pflanzenöle, v. a. Oliven-, Raps- und Erdnussöl, Samen und Nüsse) und weniger vom Tier (Fleisch, Wurst, Butter, fette Milchprodukte).
- Reichlich Vollkornprodukte und Ballaststoffe aus Vollkorn, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Ballaststoffe verlangsamen die Verdauung von Kohlenhydraten. Endprodukt des Kohlenhydratabbaus ist immer Glukose (Traubenzucker), in dieser Form kommt Zucker im Blut vor – und ist bei Diabetikern zu hoch. Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit weniger hoch ansteigt.
- »Zucker«, unser Haushaltszucker, wird schnell abgebaut, gelangt rasch ins Blut und beeinflusst den Blutzuckerspiegel stark – aber nicht stärker als z. B. Weißbrot oder Bier. Zucker ist in der Diabetikerernährung nicht verboten, der Konsum sollte sich aber auf höchstens 50 Gramm pro Tag beschränken. Das sind 10 Teelöffel. »Versteckten Zucker« in Limonaden, Fruchtjogurt, Süßigkeiten etc. nicht vergessen! Auf vielen Lebensmittelverpackungen ist der Zuckergehalt angegeben.
Statt Zucker werden für Diabetiker-Lebensmittel häufig Ersatzstoffe zum Süßen verwendet, die wenig bis keine Kalorien haben. Ausnahme ist der Fruchtzucker (Fruktose). Er beeinflusst zwar den Blutzuckerspiegel nicht, hat aber ebenso viele Kalorien wie herkömmlicher Zucker. Diät-Lebensmittel für Diabetiker sind damit nicht automatisch leichter! - Alkoholkonsum wird nicht empfohlen. Wenn, dann maximal ein Getränk pro Tag für Frauen und zwei Getränke pro Tag für Männer. Ein Getränk ist ein Seidel Bier oder ein Achtel Wein.
- Sehr wohl empfohlen wird dagegen Bewegung. Moderate Aktivität in Form von schnellem Gehen, Nordic Walking, Laufen, Radfahren, Schwimmen etc., so, dass man ins Schwitzen gerät, aber dabei noch plaudern kann, für jeweils mindestens 30 Minuten drei Mal pro Woche wäre das Optimum. Viele Studienergebnisse weisen auch auf die Vorteile von Gymnastik und Krafttraining, gerade bei Diabetiker, hin.
- Nahrungsergänzungsmittel werden bei einer ausgewogenen Ernährung für Diabetiker nicht extra empfohlen.
Die Sache mit den Broteinheiten
Diabetiker, die Insulin spritzen (Das sind alle Typ-1-Diabetiker und jene Typ-2-Diabetiker, bei denen die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist), müssen bei ihrer Ernährung einige wichtige Dinge beachten, um – möglicherweise lebensgefährliche – Über- und Unterzuckerungen zu vermeiden.
Großes Augenmerk gilt den Kohlenhydraten in der Ernährung, die vor allem aus Zucker, Brot, Nudeln, Reis und anderen Getreideprodukten stammen, sie werden in so genannten »Broteinheiten« berechnet.
Insulin abhängige DiabetikerInnen müssen von Spezialisten eingeschult werden, die ihnen auch das Hantieren mit den Broteinheiten erklären.