Spezielle Ernährung bei Allergien und Diabetes


Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten

»Käse? Vertrag’ ich nicht!« Hinter dieser scheinbar einfachen Feststellung kann eine »echte« Allergie stecken, eine Histaminintoleranz, eine Laktoseintoleranz oder einfach nur eine geschmackliche Abneigung.

»Echte« Nahrungsmittelallergien sind selten, ungefähr 2% der Erwachsenen und bis zu 8% der Kinder leiden darunter. Kinder sind am häufigsten gegen Kuhmilch allergisch, oft verschwinden die Allergien im Vorschulalter wieder. Prinzipiell kann eine Allergie aber in jedem Lebensalter auftreten.

Bei Erwachsenen sind Allergien gegen Gemüse (vor allem Sellerie und Karotten), Milch und Milchprodukte, Gewürze, Fisch, Eier, Nüsse und Samen am häufigsten. 

Auch Lebensmittelzusatzstoffe können Allergien auslösen. Eine Reihe von Farbstoffen wie z. B. Tartrazin (E 102), Konservierungsmitteln wie Sulfite (E 220-285) und Benzoesäureverbindungen (E 210-219), Antioxidantien (E 300-321), Verdickungsmittel (E 400-415), Geschmacksverstärker aus der Gruppe der Glutamate (E 620-625) sowie der Süßstoff Aspartam (E 951) sind bekannte Allergene. 

Die wirkungsvollste Therapie einer Lebensmittelallergie oder einer Unverträglichkeit ist, den/die Auslöser möglichst zu meiden. Diese/-n Auslöser aufzuspüren, hilft Ihnen die Zutatenliste.

Sehr oft treten so genannte Kreuzreaktionen auf. Jemand, der beispielsweise gegen Birkenpollen allergisch ist, berichtet oft auch von Symptomen, wenn er/sie einen Apfel isst. Das ist dadurch zu erklären, dass die Allergene (= Allergie auslösende Stoffe) von Birken und Äpfeln sehr ähnlich sind, weil diese beiden Pflanzen der selben Pflanzenfamilie angehören. Häufige Kreuzreaktionen sind auch jene gegen z. B. Kiwis und Feigen bei Latex-Allergikern.

Echte Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien sind überschießende Reaktionen des menschlichen Krankheitsabwehrsystems gegen Nahrungsmittelbestandteile, die eigentlich keine Gefahr darstellen. Sie werden immer durch Eiweißkörper ausgelöst, die über das Verdauungssystem ins Blut gelangen und dort fälschlich als schädlich eingestuft und bekämpft werden.

Eine echte Allergie ist eine schwere Erkrankung. Die Symptome reichen von Juckreiz an Lippen und Zunge, pelzigem Gefühl im Mund, über Niesen, Schnupfen, Bindehautentzündung, Verdauungsbeschwerden und Hautausschlägen bis hin zu Atemnot, Asthma und einem lebensbedrohlichen Kreislaufschock. Die Symptome treten sehr rasch nach dem Konsum auf. 

Die schwersten Allergien entstehen durch Allergene aus Erdnüssen und anderen Nüssen, Soja, Fisch, Meeresfrüchten, Milch und Hühnerei. Für schwere Allergiker reichen kleinste Mengen oder sogar das Einatmen dieser Lebensmittel aus, um lebensbedrohliche Symptome auszulösen. Für sie ist es besonders wichtig, auf der Lebensmittelverpackung auf mögliche Verunreinigungen hingewiesen zu werden. Z. B. auf Schokolade »kann Spuren von Nüssen und Soja enthalten«.

Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie gehört in die Hände eines Spezialisten. Meistens wird sie durch eingehende Befragung, mittels Hauttest und/oder Blutuntersuchungen gestellt.

Die beste und sicherste Behandlung einer Nahrungsmittelallergie ist die gezielte Vermeidung der Allergie auslösenden Lebensmittelinhaltsstoffe (Allergene). Auch der Einsatz von Medikamenten und eine Immuntherapie sind möglich, auch sie gehören in ärztliche Hände.

Unverträglichkeiten

Nahrungsmittelunverträglichkeiten, auch Intoleranzen genannt, sind nicht mit Allergien gleichzusetzen. Bei ihnen spielt das Abwehrsystem keine Rolle. Zu den Unverträglichkeiten werden gezählt:

  • Unverträglichkeiten, die auf das Fehlen eines Verdauungsenzyms zurückzuführen sind. Dazu gehören z. B. die Laktoseintoleranz und die Fruktoseintoleranz (eine sehr seltene Erbkrankheit) und –malabsorption (die häufigere Form der Fruktoseunverträglichkeit).
Fruktose ist Fruchtzucker, der in unseren Lebensmitteln natürlich vorkommt. Malabsorption bedeutet, dass der Fruchtzucker von den Darmzellen nicht aufgenommen werden kann und deshalb Probleme verursacht. Symptome sind hier vor allem Blähungen und Durchfall. 
  • Pharmakologische Unverträglichkeiten wie z. B. die Histaminintoleranz. Auch hier fehlt das Enzym für den Histaminabbau. Die Symptome ähneln denen einer Allergie: Kopfschmerzen, Atemnot, Durchfall, Juckreiz, Hautausschläge und/oder Blutdruckabfall.
  • Auch Darmerkrankungen, wie z. B. Zöliakie, werden häufig zu den Lebensmittelunverträglichkeiten gezählt.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeiten ist nicht immer leicht. Laktose-, Fruktose- und Histaminintoleranz können über Bluttests diagnostiziert werden. Die Fruktosemalabsorption über eine Messung der Ausatemluft. Zöliakie ruft sehr deutliche Symptome hervor, ein Bluttest und die Untersuchung einer Gewebeprobe sichern die Diagnose.

Wenn die Unverträglichkeit auf diese Arten nicht dingfest gemacht werden kann, bleibt als letzte Möglichkeit der so genannte orale Provokationstest. Das ist eine Suchdiät, bei der man zuerst eine strenge Diät einhalten muss. Nach und nach werden verdächtige Nahrungsmittel eingeführt und die Symptome beobachtet.

Auch die Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeiten gehört in die Hände von Spezialisten! Ist der Übeltäter entlarvt, ist - ähnlich wie bei »echten« Nahrungsmittelallergien - die wirksamste Behandlung der Intoleranzen das konsequente Vermeiden von Lebensmitteln, in denen die jeweiligen Stoffe vorkommen.

Worauf Sie bei Laktoseintoleranz und Zöliakie achten sollten, lesen Sie bitte in den entsprechenden Kapiteln nach. Bei Fruktoseintoleranz und -malabsorption verursachen Lebensmittel, die reichlich Fruktose (Fruchtzucker) und/oder Sorbit (eine Zuckerverbindung) enthalten, Beschwerden. Dazu gehören viele Früchte, v. a. Trauben, Äpfel, Birnen, Kirschen, Fruchtsäfte, Honig und Bier. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Histamin oder Histamin freisetzenden Stoffen sind germhaltige Lebensmittel, Käse, Spinat, Paradeiser, Erdbeeren, schwere Rotweine, Schokolade, Ananas und vergorene Lebensmittel, wie z. B. Sauerkraut. Sie sollten von Menschen mit Histaminintoleranz mit Vorsicht genossen werden.


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